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Donnerstag, 4. Februar 2010
Kampagne gegen Genitalverstümmelung gestartet

Berlin – Zu stärkerem Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelungen haben Menschenrechtsorganisationen aufgerufen. Seit Jahren machten Politiker weltweit leere Versprechen, diese grausame Beschneidungspraxis zu unterbinden, kritisierte die selbst betroffene Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie am Donnerstag in Berlin.

Zum Welttag gegen Genitalverstümmelung am Samstag startete die Bestsellerautorin eine internationale Kampagne mit dem Titel „Stop FGM now“ (Stoppt Genitalverstümmelung jetzt). Ziel sei, durch provozierende Videospots und Werbeanzeigen die Problematik noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Weltweit sind Schätzungen zufolge bis zu 140 Millionen Frauen beschnitten. 

Terre des femmes“ betonte, Genitalverstümmelung sei auch ein Thema in Deutschland. Die Frauenrechtsorganisation geht von bundesweit rund 20.000 betroffenen Frauen aus. Die „Terre des femmes“-Vorstandsvorsitzende, Irmingard Schewe-Gerigk, kritisierte, die Krankenkassen weigerten sich immer wieder, die Kosten für umfassende Beratungsgespräche oder notwendige medizinische Behandlungen zu übernehmen, da die Behandlung der Folgen weiblicher Genitalverstümmelung nicht im Abrechnungsverzeichnis der Krankenkassen auftauche. Sie rief Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) auf, hier für rasche Korrekturen zu sorgen. 

Scharf verurteilte Schewe-Gerigk Äußerungen von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), wonach Deutschland keine Entwicklungshilfegelder mehr an Staaten zahle, die Genitalverstümmelung erlaubten. Es sei wichtig, gerade in diesen Staaten Projekte gegen Genitalverstümmelung zu unterstützen und den Beschneiderinnen berufliche Alternativen anzubieten, so die ehemalige Grünen-Politikerin.

Die Erfahrung von „Terre des femmes“ zeige, dass ehemalige Beschneiderinnen häufig zu den engagiertesten Aktivistinnen gegen die Verstümmelung würden, wenn sie an entsprechenden Alternativprogrammen teilgenommen hätten. © kna/aerzteblatt.de

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