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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Paradox: Eine deutsche Kran­ken­ver­siche­rung ist teurer als eine amerikanische

Montag, 18. November 2019

Paradox: Eine deutsche Kran­ken­ver­siche­rung ist teurer als eine amerikanische. Im Jahr 2019 lief vieles nicht wie ich es wollte. Anfang des Jahres brach ich mir zum ersten Mal in meinem Leben einen Knochen und zog mir im gleichen Zeitraum eine Lungenentzündung zu. In beiden Fällen konnte ich die Diagnose selber stellen und mich behandeln.

Im Laufe des Jahres kämpfte ich mit einem länger anhaltenden und schweren Husten, um dann Ende 2019 in einem Autounfall mit Totalschaden verwickelt zu sein, bei dem ich die Blessuren ebenfalls selber behandelte und somit um einen Krankenhausbesuch herumkam. Ich scheute den Besuch bei Medizinern wie der Teufel das Weihwasser, denn im gesamten Jahr 2019 hatte ich weder eine Kranken- noch Zahnversicherung und hätte Unsummen an Geld gezahlt, wenn ich das Gesundheitssystem hätte in Anspruch nehmen müssen.

Schnell kommen in den USA Rechnungen in vier- oder fünfstelliger Höhe zusammen und selbst ein einfacher Arztbesuch kostet 300 bis 500 US-Dollar. Im Jahr 2020 will ich es anders machen und eine Kran­ken­ver­siche­rung haben, weshalb ich derzeit meine Optionen recherchiere. Da ich sowohl in Deutschland als auch den USA mich aufhalte, freiberuflich tätig bin und somit für keine vom Arbeitgeber mir zur Verfügung gestellte Kranken­versicherung profitieren kann, suche ich nun nach den für mich besten Möglichkeiten.

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Nehme ich eine deutsche Kran­ken­ver­siche­rung auf und habe für meine Aufenthalte in USA eine deutsche Auslandskrankenversicherung, oder habe ich umgekehrt eine amerikanische Kran­ken­ver­siche­rung mit entsprechender Auslandsversicherung für meine Aufenthalte in Deutschland parat?

Bei der Recherche dieser beiden Modellen spielt natürlich der monatliche Preis einer Police eine wichtige Rolle. Ich war sehr überrascht als ich konstatierte, dass die deutschen Kran­ken­ver­siche­rungen nicht nur den amerikanischen hinsichtlich des Preises in nichts nachstehen, sondern sogar leicht teurer sind.

So kostet die günstigste deutsche Kran­ken­ver­siche­rung für mich 350 Euro pro Monat und ist 10% teurer als die günstigste amerikanische Police. Dabei verlangt die deutsche nicht nur eine Selbstbeteiligung von 1.000 Euro und zahlt in vielen Fällen nur 80% der Rechnung, sondern bietet auch im Fall eines Kranken­haus­auf­enthaltes „nur“ den Komfort einer gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung, also Mehrbettzimmer und Behandlung durch einen, wie es heißt, „Stationsarzt“.

Das ergibt für mich wenig Sinn, denn das amerikanische Gesundheitssystem ist teurer als das deutsche – die hiesigen Behandlungskosten übersteigen die deutschen oft um den Faktor 2 oder 3. Was sind die Gründe für diese hohen Kosten? Wird der deutsche Versicherungsnehmer ausgenommen? Oder übersehe ich hier etwas? Für mich ist das ein Paradoxon, und ich neige derzeit dazu, mir eine „günstigere“ amerikanische Kran­ken­ver­siche­rung zu nehmen.

Leserkommentare

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Avatar #87253
Aedes
am Donnerstag, 28. November 2019, 20:41

Systemvergleiche?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Zum Glück haben sich meine Vorredner schon ausgetobt.

Will man das wirklich, bei jedem medizinischen Problem abwägen müssen ob man einen Fachkollegen hinzuzieht? Zum Glück handelt es sich bei dem Kollegen um einen Facharzt für fast alles. Jedenfalls scheinbar. Bringt man das in den USA eigentlich auch den Berufsanfängern so bei, dass sie sich zuerst selbst behandeln sollen? Man ist sich schließlich selbst der objektivste Arzt!

Fast schon unverantwortlich, so eine ärztliche Haltung hier zu propagieren!
Avatar #88599
elisse
am Dienstag, 26. November 2019, 19:03

Äpfel und Birnen

Die billigste Amerikanische Kran­ken­ver­siche­rung zahlt doch (so gut) wie nichts. Dabei ist doch gerade das, was Obamacare versucht hat, zu verändern, nämlich einen Mindeststandard und zwar einen bezahlbaren zu garantieren.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 25. November 2019, 00:01

Deckungsgrenze? Altersrückstellung?

Bei der Diskussion um den Preis von Kran­ken­ver­siche­rungen sollten auch diese beiden Aspekte betrachtet werden. Wenn z.B. eine Langzeitbeatmung notwendig wäre, dann wäre eine obere Deckungsgrenze bei der Versicherung fatal. Die Altersrückstellungen sind nur dann relevant, wenn man vorhat, längere Zeit bei einer Versicherung zu bleiben und ggf. nach Deutschland zurück zu kehren.

Ansonsten möchte ich mich den Argumenten meiner Vorredner anschließen, freiwillig auf eine Kran­ken­ver­siche­rung zu verzichten ist hochgradig leichtsinnig und nur für Adrenalinjunkies zu empfehlen. Der Hauptzweck einer Kran­ken­ver­siche­rung ist nach meiner Meinung nicht die Absicherung der ambulanten Kosten (diese können natürlich auch schmerzhaft sein), sondern die Absicherung der Krankenhauskosten bei schwerwiegenden Ereignissen.

Es gibt eine Reihe von Risiken, die jedes für sich selten sind, die aber durch eigenes Verhalten kaum beeinflusst werden können. Auf Anhieb fallen mir da ein ein schwerer Verkehrsunfall mit Fahrerflucht (ein Totalschaden am Auto ist da noch verkraftbar), eine Langzeitbeatmung bei Infekt mit Guillain-Barre Syndrom, oder bei einem Mann im mittleren Alter auch Hodenkrebs. Je nach persönlichen Ängsten kann diese Liste sicher auch noch verlängert werden. Wer Verantwortung für eine Familie trägt, sollte ggf. auch über eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung nachdenken.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 24. November 2019, 15:54

Deckungsgrenze? Altersrückstellung?

Bei der Diskussion um den Preis von Kran­ken­ver­siche­rungen sollten auch diese beiden Aspekte betrachtet werden. Wenn z.B. eine Langzeitbeatmung notwendig wäre, dann wäre eine obere Deckungsgrenze bei der Versicherung fatal. Die Altersrückstellungen sind nur dann relevant, wenn man vorhat, längere Zeit bei einer Versicherung zu bleiben und ggf. nach Deutschland zurück zu kehren.

Ansonsten möchte ich mich den Argumenten meiner Vorredner anschließen, freiwillig auf eine Kran­ken­ver­siche­rung zu verzichten ist hochgradig leichtsinnig und nur für Adrenalinjunkies zu empfehlen. Der Hauptzweck einer Kran­ken­ver­siche­rung ist nach meiner Meinung nicht die Absicherung der ambulanten Kosten (diese können natürlich auch schmerzhaft sein), sondern die Absicherung der Krankenhauskosten bei schwerwiegenden Ereignissen.

Es gibt eine Reihe von Risiken, die jedes für sich selten sind, die aber durch eigenes Verhalten kaum beeinflusst werden können. Auf Anhieb fallen mir da ein ein schwerer Verkehrsunfall mit Fahrerflucht (ein Totalschaden am Auto ist da noch verkraftbar), eine Langzeitbeatmung bei Infekt mit Guillain-Barre Syndrom, oder bei einem Mann im mittleren Alter auch Hodenkrebs. Je nach persönlichen Ängsten kann diese Liste sicher auch noch verlängert werden. Wer Verantwortung für eine Familie trägt, sollte ggf. auch über eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung nachdenken.
Avatar #768228
ap445
am Samstag, 23. November 2019, 06:22

Kapitalismus = scb

Avatar #103205
Patroklos
am Mittwoch, 20. November 2019, 10:47

Ist Geiz geil?

Wer die Kosten für eine Kran­ken­ver­siche­rung einsparen will, geht ein nicht unerhebliches Risiko ein, wie der Autor selbst weiß. Aus meiner Sicht ist das unverantwortlich sich selbst gegenüber und mit den Kosten keinewegs begründbar. Man muss diese ins Verhältnis zum Einkommen setzen, das uns der Autor nicht verrät.
Beim hier erwähnten PKV- Mindestbeitrag von 350€ werden Äpfel mit Birnen verglichen, um das Gesundheitssystem in den USA nicht gar so kapitalistisch aussehen zu lassen. Könnte das die Intention des "objektiven" Autors sein?
By the way: In Deutschland liegt der maximale monatliche Arbeitnehmerbeitrag für die GKV (Beitragsbemessungsgrenze) bei z. Zt. ca 360€. Das gilt auch für freiwillig Versicherte. Selbständige zahlen wegen des selbst zu tragenden Arbeitgeberbeitrags abhängig vom Einkommen das Doppelte, können aber ebenfalls freiwillig in der GKV versichert bleiben.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 19. November 2019, 13:59

@Gloxer, was soll das?

Wir haben hier das Deutsche Ärzteblatt vorliegen, nicht das Österreichische. ÖAMTC-Mitgliedschaften sind nur für Österreichische Staatsbürger vorgesehen. Diese sind, wenn nicht privat versichert, in der Pflichtmitgliedschaft der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung Österreichs zusätzlich versichert.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Avatar #779143
Gerich
am Dienstag, 19. November 2019, 10:03

Foren - Unkultur ?

Kaum dass mal ein Autor etwas Persönliches preisgibt, was aus meiner Sicht einen Artikel tendenziell aufwertet und die Glaubwürdigkeit erhöht, schon ist sogleich das zweite Posting ein Angriff (mit schwer nachvollziehbarem "Volksverdummungs" - Vorwurf).

Das ärgert mich, zumal der Autor eine bestimmt berechtigte Frage stellt, die damit in den Hintergrund gedrängt wird. Hoffentlich ist diese Forenkultur - neben der teuren Kran­ken­ver­siche­rung - kein weiteres deutsches Markenzeichen, sondern nur ein "Ausrutscher" ...
Avatar #114602
Brech
am Dienstag, 19. November 2019, 06:29

Amerikanische Kran­ken­ver­siche­rung

Dafür sind ja die verbleibenden 20%, die man in Amerika bezahlt, ja auch viel mehr. Davon kann man richtig arm werden.
Avatar #75316
Gloxer
am Montag, 18. November 2019, 21:59

Lösung(?):

1.) Touring Mitgliedschaft buchen Eur 19,30 p.a.
https://www.oeamtc.at/mitgliedschaft/

2.) Schutzbrief buchen Eur 46.- p.a.
https://www.oeamtc.at/mitgliedschaft/leistungen/schutzbrief/

3.) Weltreise-Krankenschutz buchen Eur 59,40 p.a.
https://www.oeamtc.at/versicherung/reise-versicherungen/weltreise-krankenschutz/

Wenn Sie je Reise länger als 92 Tage in Ländern sind, die nicht im Schutzbrief abgedeckt sind, können Sie die erforderlichen Zusatztage VOR Reiseantritt dazu buchen (etwa Eur 3.-/Tag)

Wäre interessant zu erfahren, ob das eine Lösung sein kann!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 18. November 2019, 21:12

Kollege Volksverdummung?

Kollege Peter Niemann, betreiben Sie da nicht ein wenig Volksverdummung?

Ihr Eingeständnis, 2019 überhaupt nicht krankenversichert gewesen zu sein und "Ende 2019 in einem Autounfall mit Totalschaden verwickelt zu sein" lässt tief blicken: Wir haben erst Mitte November 2019. Und was machen Sie bloß, wenn sich bei Ihnen im Dezember 2019 noch ein Myokardinfarkt einstellt? Wollen Sie sich dann auch selbst kathetetisieren?

Ihre Haltung, gar keine Kran­ken­ver­siche­rung zu haben ist m.E. egoistisch und verantwortungslos.

Außerdem: "Basic coverage in California and Florida can cost $450 per month, while similar plans in New York can cost upwards of $600 per month."...

"The world of health insurance also has its own language and an extended glossary. It helps to learn a few of the essential terms in order to understand the plan you’re buying:
Premium: The monthly cost of your plan.
Deductible: The amount you pay out of pocket before your insurance kicks in.
Co-Insurance: The percentage of costs you still need to pay after your insurance kicks in.
Co-pay: What you pay the doctor at every visit.
Cost of health insurance varies widely, and it depends on the types of benefits you choose. Usually plans with higher premiums cover more of your medical expenses. In 2018, premiums averaged $440 per month for individuals, and $1,168 per month for families..." http://www.bbc.com/storyworks/specials/moving-to-america/navigating-the-us-health-system.html

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #752655
drwneumann
am Montag, 18. November 2019, 20:23

ausgenommen?

den Deutschen wird ja nachgesagt, dass sie besonders oft zum Arzt gehen, vielleicht liegt es daran. Wenn ich allerdings als Renter mit 33 Jahren Zugehörigkeit zu derselben privaten Krankenkasse trotz angeblicher Altersrückstellung 600 Euro zahle, frage ich mich auch, ob da alles mit rechten Dingen zugeht.
W. Neumann
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